Ranken, die sich über ganze Fassaden ziehen, Frauen mit wallendem Haar, Lilien, Mohn und Schwäne: Um 1900 erfasste ein neuer Stil ganz Europa. Er verwandelte Plakate, Bücher, Möbel, Schmuck und Häuser. Hier erfährst du, woran du Jugendstil Kunst erkennst, wer die wichtigsten Künstler waren und wie Jugendstil Bilder in deinem Zuhause wirken.
Zeitschrift „Jugend“Titelblatt von Otto Eckmann, 1896
um 1890–1910Blütezeit des Stils
1896Zeitschrift „Jugend“ in München
1897Gründung der Wiener Secession
Naturdas große Vorbild
Was ist Jugendstil Kunst?
Jugendstil Kunst ist eine Kunstepoche, die um 1890 entstand und bis etwa 1910 blühte. Junge Künstler wollten sich von den schweren, nachgeahmten Stilen des 19. Jahrhunderts befreien. Statt Säulen aus der Antike und Zierrat aus der Gotik suchten sie eine eigene, neue Formensprache. Ihr Vorbild war die Natur: Pflanzen, Blüten, Wasser, Tiere und der menschliche Körper.
Das Besondere am Jugendstil: Er blieb nicht im Museum. Die Künstler gestalteten Plakate, Bücher, Tapeten, Lampen, Vasen, Möbel und ganze Häuser. Kunst sollte den Alltag schöner machen. So wurde der Jugendstil zu einer der ersten Kunstrichtungen, die Menschen in ganz Europa auf der Straße und in der eigenen Wohnung begegneten.
Woher kommt der Name Jugendstil?
Den deutschen Namen verdankt der Stil einer Zeitschrift. Ab Januar 1896 erschien in München die „Jugend“, eine illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben, gegründet von dem Verleger Georg Hirth. Ihre bunten Titelblätter wechselten von Heft zu Heft und wurden von vielen verschiedenen Künstlern gestaltet. Bald sprach man vom „Jugendstil“.
In anderen Ländern hatte der Stil andere Namen. In Frankreich und Belgien hieß er Art Nouveau, nach der Pariser Galerie „L’Art Nouveau“ des Kunsthändlers Siegfried Bing. In Wien nannte man ihn Secessionsstil, nach der Künstlervereinigung Wiener Secession. In Spanien sprach man vom Modernisme, in Italien vom Stile Liberty, in England vom Modern Style.
Jugendstil Kunst: die wichtigsten Merkmale
So unterschiedlich die Künstler in den einzelnen Ländern arbeiteten, einige Merkmale verbinden fast alle Werke der Jugendstil Kunst.
Geschwungene Linien: Ranken, Wellen, Haarsträhnen und Stängel fließen in weichen, elastischen Bögen. Eine besonders schwungvolle, wie zurückschnellende Form nennt man Peitschenhieb-Linie.
Pflanzen und Blumen: Lilien, Iris, Mohn, Seerosen, Disteln und Efeu sind überall zu finden, auf Bildern ebenso wie an Fassaden, Gläsern und Tapeten.
Tiere mit Anmut: Schwäne, Pfauen, Libellen, Schmetterlinge und Fische tauchen immer wieder auf. Sie stehen für Schönheit, Wandel und Natur.
Die Frau als Sinnbild: Jugendstil Bilder zeigen oft Frauen mit langem, offenem Haar, als Muse, als Göttin, als Jahreszeit oder als Verkörperung einer Blume.
Flächen und Konturen: Viele Künstler ließen sich von japanischen Holzschnitten anregen. Klare Umrisse, flächige Farben und ein bewusster Verzicht auf tiefe Räumlichkeit prägen viele Plakate und Grafiken.
Ornament und Schrift: Bild, Rahmen und Schrift bilden eine Einheit. Buchstaben werden selbst zum Ornament, wie auf den Titelblättern der „Jugend“ oder auf den Plakaten der Wiener Secession.
Gesamtkunstwerk: Haus, Möbel, Lampen, Besteck und Bilder sollten aus einem Guss gestaltet sein. Die Grenze zwischen freier Kunst und Kunsthandwerk sollte verschwinden.
Grafik
Jugendstil auf einen Blick
1894Beardsley illustriert „Salome“
1895Muchas Plakat „Gismonda“ in Paris
1895Galerie „L’Art Nouveau“ von Siegfried Bing
1896Erste Ausgabe der „Jugend“ in München
1897Gründung der Wiener Secession
1899Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt
1900Weltausstellung in Paris
1908Klimt stellt „Der Kuss“ aus
Die wichtigsten Jugendstil Künstler
Der Jugendstil war eine europäische Bewegung mit vielen Zentren. In jeder Stadt entwickelte er ein eigenes Gesicht.
Paris und Nancy:Alphonse Mucha wurde mit seinen Plakaten für Sarah Bernhardt zum Star des Art Nouveau. Eugène Grasset entwarf Plakate, Schriften und Glasfenster, Hector Guimard die berühmten Eingänge der Pariser Metro. In Nancy schuf Émile Gallé Vasen aus Glas mit Blüten und Insekten, René Lalique fertigte Schmuck aus Gold, Glas und Email.
Wien: 1897 gründeten Gustav Klimt, Koloman Moser, Josef Hoffmann und andere die Wiener Secession. Klimt malte seine schimmernden goldenen Bilder, Moser und Hoffmann gestalteten Möbel, Grafik und Schmuck und gründeten 1903 die Wiener Werkstätte.
München, Darmstadt und Worpswede: Otto Eckmann, Fritz Erler und Ludwig von Zumbusch zeichneten Titelblätter für die „Jugend“. Peter Behrens gehörte zur Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe, Heinrich Vogeler prägte in Worpswede einen verträumten, poetischen Jugendstil.
London, Brüssel und Barcelona: Aubrey Beardsley schuf kühne Illustrationen in Schwarz und Weiß. In Brüssel bauten Victor Horta und Henry van de Velde Häuser, in denen sich Eisen und Glas wie Pflanzen ranken. In Barcelona entwarf Antoni Gaudí seine fantastischen Bauten.
Berühmte Jugendstil Bilder und Plakate
Diese Werke zeigen die ganze Spannweite der Jugendstil Kunst, von der Zeitschrift bis zum goldenen Gemälde. Wir drucken sie gern als Kunstdruck auf Anfrage.
I
Der Kuss
Gustav Klimt · 1908/09 · Belvedere, Wien
Ein Liebespaar, eingehüllt in Gewänder aus Gold und Ornamenten, kniet am Rand einer Blumenwiese. Das bekannteste Bild der Wiener Jugendstil Kunst.
Das Titelblatt der allerersten Ausgabe der Münchner Zeitschrift, die dem Jugendstil ihren Namen gab. Eine übermütige Gestalt springt mit zwei Fackeln über das Blatt, darüber der verschlungene Schriftzug.
Rechts wacht Athene mit Schild und Speer, oben kämpft Theseus mit dem Minotaurus. Weil der nackte Held Anstoß erregte, verdeckte in einer zweiten Fassung ein Baumstamm die Figur.
Drei Frauenfiguren in Blau und Weiß, streng und fast geometrisch gezeichnet, mit Schrift aus Quadraten. Hier zeigt sich, wie der Wiener Jugendstil schon auf die klaren Formen späterer Jahre vorausweist.
Aubrey Beardsley · 1894 · zu Oscar Wildes „Salome“
Ein Rock aus Pfauenfedern, der in einer gewaltigen Kurve über das Blatt schwingt. Beardsley kam mit Schwarz, Weiß und feinsten Linien aus und wurde damit zum Vorbild für Grafiker in ganz Europa.
Eine junge Frau mit rotem Haar betrachtet eine große weiße Blüte, in der Hand Stift und Zeichenmappe. Grasset warb mit diesem Plakat für eine Ausstellung seiner eigenen Werke in Paris.
Zwei junge Frauen in wehenden Kleidern ziehen einen kleinen alten Herrn im schwarzen Anzug über eine grüne Wiese. Ein heiteres Bild für den Frühling und für das Lebensgefühl der neuen Zeit.
Die griechische Mondgöttin schmiegt sich an die schmale Mondsichel, ihr Körper formt selbst einen eleganten Bogen. Zarte Blau- und Rosatöne, schwebende Leichtigkeit und eine einfache, starke Bildidee: ein Motiv aus dem späten 19. Jahrhundert, das wunderbar zu Jugendstil Möbeln und Ornamenten passt.
Jugendstil und Art Deco werden oft verwechselt, dabei liegen zwischen ihnen Jahrzehnte und eine ganz andere Haltung. Der Jugendstil liebt die Natur: weiche Kurven, Ranken, Blüten, fließende Gewänder. Er ist verträumt, poetisch und oft ein wenig melancholisch.
Art Deco folgte nach dem Ersten Weltkrieg und blühte in den 1920er und 1930er Jahren. Er feiert die Moderne, die Großstadt und die Maschine: Zickzack, Sonnenstrahlen, Stufen, klare Geometrie, Glanz aus Chrom, Lack und Gold. Wer beide Stile mag, findet bei uns auch Kunstdrucke in der Rubrik Art Deco.
Jugendstil Bilder im Zuhause
Jugendstil Bilder bringen Wärme, Ruhe und eine Prise Romantik in jeden Raum. Die weichen Linien passen zu alten Dielen und Stuck ebenso wie zu schlichten, modernen Möbeln.
Wohnzimmer: Jugendstil Bilder mit Frauen und Blumen eignen sich für eine Reihe aus drei oder vier Motiven, ganz wie die Serien der Jahreszeiten um 1900. Gleiche Rahmen und gleiche Abstände halten die Wand ruhig.
Schlafzimmer: Motive mit Mond, Sternen und schwebenden Figuren schaffen eine träumerische Stimmung.
Flur: Hohe, schmale Formate wie die Plakate der Wiener Secession sind ideal für Wände neben Türen und im Treppenhaus.
Altbauwohnung: Viele Häuser in Deutschland stammen aus der Zeit um 1900. Hier holt ein Jugendstil Bild den Geist der Entstehungszeit zurück in die Räume.
Ein schmaler Goldrahmen unterstreicht die Ornamente, ein Rahmen aus hellem Holz betont die Natürlichkeit, ein schwarzer Rahmen lässt grafische Plakate klar und modern wirken. Mehr Ideen findest du im Ratgeber Bilder für Wohnung und Büro.
Jugendstil Poster oder Kunstdruck?
Viele Jugendstil Poster werden auf dünnem, glänzendem Papier angeboten. Dabei gehen feine Linien und zarte Farbübergänge schnell verloren, und das Licht spiegelt sich auf der Oberfläche. Unsere Kunstdrucke entstehen auf dickem, mattem Fine Art Papier mit 280 g/m². Es bringt die gedämpften Töne und die feinen Konturen der Jugendstil Kunst ruhig und ohne Spiegelungen zur Geltung.
Die Größen reichen von 10×15 cm bis 60×80 cm, Sondergrößen gibt es auf Anfrage. Weitere Tipps findest du im Ratgeber Kunstdrucke kaufen. Mehr über den berühmtesten Plakatkünstler der Epoche liest du in unserem Porträt über Alphonse Mucha.
Jugendstil Kunst wollte den Alltag schöner machen. Über hundert Jahre später gelingt ihr das noch immer, an der Wand deines Zuhauses.
Häufige Fragen zur Jugendstil Kunst
Wann war der Jugendstil?
Die Blütezeit des Jugendstils lag etwa zwischen 1890 und 1910. Nach dem Ersten Weltkrieg löste ihn der Art Deco ab.
Was sind typische Merkmale der Jugendstil Kunst?
Geschwungene Linien, Pflanzen und Blumen als Ornament, Tiere wie Schwäne und Pfauen, Frauen mit langem Haar, flächige Farben mit klaren Umrissen und die Einheit von Kunst und Alltag.
Warum heißt der Jugendstil Jugendstil?
Der Name stammt von der Münchner Zeitschrift „Jugend“, die ab 1896 erschien. In Frankreich heißt der Stil Art Nouveau, in Wien Secessionsstil.
Wer sind die bekanntesten Jugendstil Künstler?
Alphonse Mucha, Gustav Klimt, Koloman Moser, Aubrey Beardsley, Eugène Grasset, Hector Guimard, Émile Gallé, René Lalique, Antoni Gaudí, Victor Horta und Heinrich Vogeler.
Was ist der Unterschied zwischen Jugendstil und Art Deco?
Der Jugendstil liebt weiche, organische Formen aus der Natur. Art Deco folgte in den 1920er und 1930er Jahren und setzt auf Geometrie, klare Linien und Glanz.
Abbildungen der Werke: gemeinfrei, über Wikimedia Commons.
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